Otto Retzer im Interview

ORF.at/Maresa Mayer

„Ich bin halt oft ein bisschen vorlaut“

Mit seinem Altherrenschmäh kam Otto Retzer in den ersten Sendungen nicht bei allen gut an. Dabei ist der Kärntner nicht nur einer der erfolgreichsten Regisseure Österreichs, sondern auch Träger des Goldenen Ehrenzeichens der Republik. Und die Erotikfilmchen, die man mit ihm in Verbindung bringt? Da sei er immer nur der vorletzte Assistent gewesen, betont er im Interview.

Die Welt ist für Otto Retzer ein Dorf. Im Zuge seiner Dreharbeiten zu den Erfolgsserien „Klinik unter Palmen“ und „Das Traumhotel“ hat er über die Jahre die ganze Welt bereist und die entlegensten Winkel kennengelernt. Die aufregendste Reise seines Lebens führte ihn jedoch nicht quer über den Globus, sondern im Jahr 1958 von seinem Heimatort Lölling in die Hauptstadt von Kärnten. „Damals war Klagenfurt für mich wie New York,“ sagt Retzer, der mit gerade mal 14 Jahren von den Eltern in eine Kellnerlehre geschickt wurde.

Otto Retzer

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„Klagenfurt war für mich wie New York“

„Diese Reise ins Ungewisse war sehr schwer – ich war ja noch ein Bub. Danach hab’ ich sehr viel Glück gehabt, aber die ersten Schritte waren hart und deswegen bin ich heute immer noch so dankbar und glücklich, dass es mir gut geht.“

Einschaltquoten in Millionenhöhe

Retzer arbeitete später als Discjockey und Wasserskilehrer am Wörthersee, bis ihn 1970 der Chef der Lisa-Film, Carl Spiehs, entdeckte, als Assistenten engagierte und zunächst mit kleinen Arbeiten rund um seinen Stab betraute. Populär wurde Retzer in der Fernsehserie „Ein Schloß am Wörthersee“ als Gastarbeiter Josip, der kahlgeschorene Schädel wurde zu seinem Markenzeichen. Als Produzent von „Das Traumhotel“ hatte er Einschaltquoten von bis zu 8, 7 Millionen, die Serie wurde in mehrere Länder verkauft. Für seine Erfolge wurde Retzer mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet.

„Unterm Dirndl wird gejodelt“

Als „Hans Dampf in allen Gassen“ wurde er zum Fixinventar der heimischen „Seitenblicke“-Gesellschaft. „Mein Image des Partylöwen habe ich deshalb, weil ich nicht Nein sagen kann“, sagt der Regisseur. „Egal, wer mich für irgendeinen Blödsinn anfragt, zu dem sag ich Ja, ohne zu wissen, ob ich überhaupt Zeit habe.“ Und das andere Image? „Ich werde heute für etwas verantwortlich gemacht, das ich nie getan habe. Es wird immer gesagt, ich hätte in den 60er und 70er Jahren bei diversen Erotik- und Sexfilmchen mitgemacht, zum Beispiel bei ‚Unterm Dirndl wird gejodelt‘. Da war ich aber nur zweiter Aufnahmeleiter, also Kaffee holen und am Abend zusammenräumen, ich hatte mit nichts was zu tun. Weder hab’ ich das Drehbuch gelesen, noch hab’ ich gewusst, wer‘s geschrieben hat.“

Otto Retzer

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„Ich kann nicht Nein sagen“

1983 führte Retzer erstmals selbst Regie bei dem Film „Babystrich im Sperrbezirk“, der aufgrund des geringen Budgets anstatt von Schauspielern mit echten Zuhältern und Prostituierten besetzt wurde. „Das war eine Spielfilmdoku, ein Kultfilm, der eineinhalb Millionen Zuschauer im Kino hatte und ein Riesenerfolg war", erzählt Retzer stolz. Mit allem anderen, das man jetzt ausgrabe, habe er nichts zu tun, da sei er überall nur der vorletzte Assistent gewesen. Ins ernste Fach wollte er nie wechseln: „Bei mir muss immer der Himmel blau sein, das Wasser glitzern und ein Segelboot fahren. Ich bin nicht der Richtige für nass, kalt, finster, Mord und Totschlag.“

Keine Kusspause mit Rosi

Bei „Dancing Stars“ mache der Regisseur mit, weil er es mit über 70 und nach einer überstandenen Krebserkrankung noch einmal wissen wolle, wie er sagt. „Ich fühle mich nicht so alt, wie es auf dem Papier steht.“ Das bekommt auch Tanzpartnerin Rosi Wieland, mit der Retzer seit vier Wochen auf Tuchfühlung geht, zu spüren. Da wird von ihm schon mal der Wunsch nach einer „Kusspause“ laut, aber Rosi sieht das gelassen: „Das geht bei mir beim einen Ohr rein und beim anderen raus.“ Beim Publikum – vor allem in den Sozialen Medien – kommen Retzers Altherrenwitze nicht immer gut an. Retzer dazu: „Ich bin halt oft ein bisschen vorlaut, da muss ich aufpassen.“

Otto Retzer

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Mit Tanzpartnerin Rosi Wieland versteht sich Retzer prächtig

TV-Hinweis „Stöckl.“

20. April, 23.05 Uhr, ORF2:
Otto Retzer zu Gast bei Barbara Stöckl

Die Zeiten hätten sich sehr verändert, sagt der 72-Jährige. „Wenn man heute einen Witz beginnt mit ‚Kommt ein Mädchen in einem Minirock …‘ ist man schon sexistisch und wird in ein Eck geschoben.“ Aber Rosi sei ja zum Glück ein liebes Mädchen, von der er sich sogar etwas sagen lasse. „Der Rosi kann man ja nicht böse sein, man muss sie einfach lieb haben. Aber so einfach, wie man glaubt, ist das Training nicht. Und wenn ich ganz ehrlich bin, hab’ ich mir schon öfter gedacht: ‚Otto, was hast du dir da angetan?‘ Aber jetzt bin ich da und jetzt bleib’ ich da.“

Sonia Neufeld, dancingstars.ORF.at

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