„Mit Tanzen hat ‚Dancing Stars‘ nichts zu tun“

Fußballlegende Walter „Schoko“ Schachner analysiert, warum das ORF-Tanzevent mit herkömmlichem Tanz nicht vergleichbar ist, weshalb Arik Brauer zu seinem Vorbild geworden ist und warum er sich in „Bella Italia“ ganz zuhause fühlt.

Bereits nach den ersten Trainingseinheiten stand für Schoko Schachner fest: „‚Dancing Stars‘ hat mit Tanzen überhaupt nichts zu tun.“ Er halte sich für einen passablen Tänzer, aber mit den Schrittkombinationen und Bewegungsabläufen habe er anfangs überhaupt nichts anzufangen gewusst. „Bei ‚Dancing Stars‘ geht es um Choreografie und Show.“ Die Herausforderung bestünde darin, die vielen, neuen Informationen zu verarbeiten und umzusetzen. Über mangelnde Kondition kann sich die Fußballlegende nicht beschweren, aber mental sei das Training sehr fordernd und „wenn du geistig angestrengt bist, dann bist du auch körperlich müder“, so der 60-Jährige.

Walter "Schoko" Schachner - Body neu

ORF.at/Gregor Tatschl

Ein Apferl und eine Banane als Mittagessen

All das tut der Begeisterung des Steirers keinen Abbruch. Er habe nach abgehaltenem Familienrat gerne zugesagt und bereits sein persönliches Ziel definiert: „Ich möchte meinen Fans und der Öffentlichkeit zeigen, dass ein Fußballer nicht nur zwei linke Füße hat, sondern auch Tanzen in der vorgegebenen Zeit erlernt.“

Ein Buch in der Schublade

Beweisen muss Schoko Schachner als ehemals erfolgreicher Stürmer und Trainer niemanden mehr etwas. Rund 300 Tore hat er geschossen. „301 waren es genau und insgesamt 612 Spiele habe ich absolviert. Ich habe mit der Hand alle meine Spiele und Tore niedergeschrieben. Das Buch liegt bei mir zu Hause in meiner Schublade“, erzählt der Leobener.

Als Facharbeiter zur Weltmeisterschaft

Eines dieser 301 Tore werde er niemals vergessen, denn es habe seine Karriere begründet. „Es war 1978, das 1:0 gegen Spanien bei der Weltmeisterschaft. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch Betriebselektriker bei der Alpine Donawitz. Wenn du das heute jemandem erzählst, schmunzeln alle, denn das ist heute unvorstellbar.“ Andere Spieler wie Hans Krankl, Herbert Prohaska und Friedl Koncilia verdienten damals schon ihr Geld als Profi, der 21-jährige Walter arbeitete noch als Facharbeiter.

Walter "Schoko" Schachner

ORF.at/Gregor Tatschl

„Schoko“ nahm unbezahlten Urlaub, um bei der WM spielen zu können

Um mit den Profis mithalten zu können, nahm sich Schoko drei Monate unbezahlten Urlaub und der machte sich bezahlt. Der Steirer wurde zur Weltmeisterschaft mitgenommen, erzielte das erste Tor für Österreich und legte den Grundstein für seine internationale Karriere. „Das vergisst du nie mehr, denn nach der Weltmeisterschaft habe ich zu arbeiten aufgehört und bin dann Profi bei der Wiener Austria geworden.“

Große Namen und ich

1981 wechselte er als Fußballer nach Italien, zur damaligen Zeit etwas ganz Besonderes. „In den 80er-Jahren durften nur zwei Ausländer pro Verein spielen, das war limitiert. Heutzutage sind es zehn, zwölf“, erklärt er. „Der Prohaska war unten, der Platini, der Maradona, Rummenigge, Matthäus und ich. Alles wirklich große Namen, darauf bin ich stolz.“

Italien, das zweite Zuhause

Das südliche Nachbarland ist zur zweiten Heimat geworden, zehn bis zwölf Mal im Jahr fährt Familie Schachner nach Lignano in ihre Wohnung mit Privatstrand. „Wir sind nach Italien gegangen, ohne ein Wort Italienisch zu können. Wir haben unten die Sprache erlernt, nicht in einer Schule, sondern über die Einheimischen.“ Er habe Kultur und Kulinarik kennen und lieben gelernt, seine Frau koche zu 60 Prozent italienische Küche. „Mein Horizont hat sich erweitert, einfach so – das hat alles nichts gekostet, das nimmst du einfach mit.“

Walter "Schoko" Schachner

ORF.at/Gregor Tatschl

Liebt die Kultur und Kulinarik Italiens

Nicht nur deshalb würde Schoko wieder Fußballer werden, das sei das Schönste auf der Welt. Man brauche sich um nichts zu kümmern und an nichts zu denken. „Du musst nur mit dem Toilettentascherl zum Training kommen und gut spielen. Sonst wird alles für dich gemacht.“

Vorbild Arik Brauer

Mit 60 Jahren macht sich der Steirer auch Gedanken übers Älterwerden, ein Vorbild in Sachen Altern hat er auch: „Den Arik Brauer bewundere ich mit seinen 88 Jahren.“ Um so schlank, interessiert und geistig fit zu bleiben, brauche man aber eine Aufgabe. „Ich möchte so lange wie möglich aktiv sein“, erklärt Schoko. Seine Teilnahme bei „Dancing Stars“ passt da ausgezeichnet ins Konzept. Womit sich Walter in den Monaten und Jahren danach beschäftigen werde, könne er noch nicht genau sagen. „Ich habe bei ‚Dancing Stars‘ jetzt schon viele Leute aus einer ganz anderen Branche kennen gelernt, mit denen du über Dinge redest, über die du davor noch nie gesprochen hast. Man kann nie wissen, was sich da noch ergeben könnte.“

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