Bernhard Kohl in den Bergen
(c) Michael Geißler
(c) Michael Geißler
Interview

33 Fragen an Bernhard Kohl

Den richtigen Takt hat Bernhard Kohl laut Jury bei „Dancing Stars“ noch nicht ganz gefunden, im wahren Leben ist der 39-jährige Ex-Radprofi erfolgreich mit seinem Fahrradgeschäft in Wien. Seine aktive Karriere hat Bernhard 2009 beendet, nach dem Dopingfall wollte der velophile Weinviertler ein Leben ohne Lügen leben. Was der ehemalige Radprofi vermisst, was sein atemberaubendster Moment war und wofür Bernhard dankbar ist, das erfahrt ihr hier.

1. Lieber Bernhard, wie geht es dir?

Außer ein kleines Zwicken in der Schulter geht es mir bestens, vielen Dank. „Dancing Stars“ ist in jeder Hinsicht eine Bereicherung für mein Leben, worüber ich sehr dankbar bin. Es ist so viel mehr als nur Tanzen, und ich bin mir sicher, dass ich von den Erfahrungen ein Leben lang profitieren werde.

2. Warum nimmst du an „Dancing Stars“ teil?

Die Herausforderung, ein neues Projekt ohne Vorkenntnisse anzugehen, hat mich schlussendlich überzeugt. Ich habe es mit meinem Neustart des Radsport-Fachgeschäfts, das ich mit meinem Partner vor mittlerweile elf Jahren – ebenfalls ohne Vorkenntnisse – gegründet habe, verglichen. Und dachte mir, mit denselben Tugenden wie Leidenschaft, einem gesunden Ehrgeiz und ein wenig Mut wird mir auch das gelingen.

3. Wo packt dich bei „Dancing Stars“ so richtig der Ehrgeiz?

Von Woche zu Woche einen neuen Tanz zu lernen hat schon seinen Reiz. Und Vessy weiß mittlerweile schon ganz genau, wie sie meinen Ehrgeiz wecken kann. (lacht)

4. Deine Tanzpartnerin Vessy – wie beschreibst du sie in drei Worten?

Einfühlsam, zielstrebig und sehr ehrlich. Sie ist wirklich ein besonderer Mensch, und wir passen als „Tanzpaar“ perfekt zusammen

5. Dein Eindruck von der Jury?

Mir gefällt die Mischung der Charaktere sehr gut und ich bin über konstruktives Feedback immer sehr dankbar.

6. Dein größter Traum als Jugendlicher?

Als ich das erste Mal die Tour de France im Fernsehen gesehen habe, wusste ich, dass ich hier unbedingt einmal selbst dabei sein möchte.

Bernhard Kohl in seinen aktiven Zeiten
GEPA pictures/ Herman Seidl
Bernhard Kohl in seinen aktiven Zeiten 2008 als Träger des Bergtrikots bei der Tour de France

7. Dein größter Traum heute?

Ein gesundes und unbeschwertes Leben für meine ganze Familie, speziell für meine zwei Kinder. Und dass ich nicht nur Papa, sondern in Zukunft auch ihr bester Freund bin.

8. Was vermisst du von den Zeiten als Spitzensportler?

Das viele Reisen und Kennenlernen der verschiedenen Länder und Kulturen

9. Vom ehemaligen Spitzensportler zum Geschäftsmann – wie kam es dazu?

Nach meinem Karrierende im Jahr 2008 und dem Neustart unter dem Motto „Ein Leben ohne Lügen“ wollte ich dem Radsport – meiner großen Leidenschaft – unbedingt treu bleiben. So entstand die Idee eines eigenen Radsportfachgeschäfts, das ich vor mittlerweile zwölf Jahren mit meinem Partner gegründet habe. Über diese zweite Chance in meinem Leben bin ich unheimlich dankbar und glücklich, dass dies so gut angenommen wurde.

10. Wie sieht ein entspannter (Rad-)Tag bei dir aus?

Wenn ich mit meiner Frau und den beiden Kids am Bike unterwegs bin. Die Leidenschaft zum Sport an sie weiterzugeben, das zählt für mich zu den schönsten Momenten im Leben.

Bernhard Kohl am Rad
(c) Michael Geißler
Naturfreund Bernhard Kohl – etwas ungewöhnlich in Tanzschuhen und mit Sakko – aber wie immer fest im Sattel

11. Macht dir Radfahren noch immer Spaß?

Absolut. Der Radsport wird immer ein Teil meines Lebens sein. Es gibt nichts Schöneres als in der freien Natur bzw. an der frischen Luft mit dem Rad unterwegs zu sein.

12. Wie viele Radkilometer pro Jahr hast du in deiner aktiven Karriere zurückgelegt, wie viele sind es heute?

Damals waren es knappe 35.000 Kilometer im Jahr. Das schaffe ich aktuell nicht mal mehr mit dem Auto (lacht). Aktuell werden es im Jahr knapp 2.000 Kilometer sein. Die Prioritäten mit Familie und eigenem Geschäft haben sich hier natürlich verändert.

13. Was kannst du von deinen Kindern lernen?

Dass sie immer im Moment leben und Neuem gegenüber unvoreingenommen sind.

Gemaltes Bild von Bernhard Kohls Tochter
Bernhard Kohl
Bei so einem schönen Bild strahlt das stolze Papaherz

14. Was zuerst: Familie oder Beruf?

Ganz klar: Familie

15. Wie würdest du deine Kindheit beschreiben?

Ich hatte das große Glück, in einer wohlbehüteten Familie aufzuwachsen. Ich durfte mich immer verwirklichen und wurde bei meinen Ideen immer unterstützt.

16. Was ist das Geheimnis einer langen Beziehung für dich?

Das Wichtigste nach der Verliebtheitsphase ist, dass man miteinander redet, auch wenn Schweigen meistens einfacher wäre. Auch eine Ausgeglichenheit in punkto Nehmen und Geben ist ein entscheidender Faktor einer langen Beziehung.

17. Vertrauen gut, Kontrolle besser?

Vertrauen finde ich persönlich sehr wichtig und macht eine Beziehung auch aus.

18. Dein Rezept für Selbstzufriedenheit?

Das habe ich von Vessy gelernt (lacht). Nämlich keine Erwartungen, sondern Visionen zu haben. So kann man nicht enttäuscht werden und ist somit mit sich selbst zufrieden.

19. Wie entspannst du dich nach einem harten Trainingstag bei „Dancing Stars“?

Eindeutig wenn ich das Strahlen von meinen Kids sehe. Wenn ich ihnen die Bilder und Videos vom Trainingstag zeige, haben wir immer viel zu lachen.

Bernhard Kohl und Vesela Dimova bei der Tanzprobe
ORF.at/Simone Neugebauer
Tanzprofi „Vessy“ ist für Bernhard ein besonderer Mensch, die beiden harmonieren perfekt als Tanzpaar

20. Welche drei Persönlichkeiten würdest du gern zum Essen einladen?

Aktuell die Jury von „Dancing Stars“. Es wäre sehr spannend, Maria, Karina und Balázs im privaten Umfeld kennenzulernen.

21. Welche Sportart interessiert dich überhaupt nicht?

Jede Sportart hat – glaube ich – ihren speziellen Reiz. Wenn man sich näher damit beschäftigen würde, wäre mit Sicherheit jede sehr interessant.

22. Glaubst du an Schicksal?

Ich glaube fest daran, dass es im Leben so kommt, wie es kommen soll. Wichtig hierbei ist, dass man den Blick nach vorne richtet und aus der Vergangenheit lernt.

23. Nenne zwei deiner schlechtesten Eigenschaften, die sogar dich selbst stören.

Dass ich manchmal mit dem Kopf durch die Wand möchte. Die Therapie dagegen erlebe ich gerade täglich, und Vessy hat es geschafft, dass ich mit dem zufrieden und glücklich bin, was ich bereits kann. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.

24. Dein Mittel gegen Langeweile im Alltag?

Bei mir geht es eher in die andere Richtung. Hier bin ich teilweise wie ein kleines Kind, das auch nicht ruhig sitzen kann. Aktuell lerne ich gerade, dass Abzuschalten und an nichts zu denken auch ganz wichtig sein können.

Die Geburt unserer Kinder live mit meiner Frau zu erleben, war mit Sicherheit mein atemberaubendster Moment.

25. Der atemberaubendste Moment in deinem Leben?

Die Geburt unserer Kinder. Das gemeinsam mit meiner Frau live zu erleben, war mit Sicherheit mein atemberaubendster Moment.

26. Dein Lieblingsfilm?

Aktuell gerade „Dirty Dancing“ (lacht). Prinzipiell gefallen mir alle Filme von Russel Crowe sehr gut.

27. Deine Lieblingsstrecke rund um Wien?

Meine alte Heimat, das Weinviertel, hat seine ganz speziellen Plätze, wohin ich immer wieder gerne zurückkomme.

28. Bier oder Wein?

Als Weinviertler, ganz klar: Wein

29. Dein Lieblingstanz?

Vor „Dancing Stars“ wäre die Antwort gewesen: „Keine Ahnung, ich habe ja noch nie getanzt.“ Bis jetzt ist es für mich der Langsame Walzer, aber auch der Tango gefällt mir sehr gut.

Bernhard Kohl und Vesela Dimova
ORF.at/Lukas Krummholz
Langsamer Walzer und Tango entpuppen sich als Bernhards Lieblingstänze

30. Wofür bist du in deinem Leben dankbar?

Dass ich in meinen Leben eine zweite Chance bekommen habe. Dies gebe ich auch meinen Kindern weiter. Man darf Fehler im Leben machen, wenn man am Ende des Tages dazu steht und für die Zukunft daraus lernt.

31. Was würdest du morgen noch besser machen als heute?

Das Schöne ist, dass jeder Tag bei Null beginnt und man wieder eine neue Chance hat. Denn Fehler sind da, um daraus zu lernen. Leben heißt auch: einmal mehr aufzustehen als hinzufallen.

32. Wenn du eines Tages in ferner Zukunft auf dein Leben zurückblickst, was könntest du dann sagen?

Dass ich in meinen Leben extrem viel erlebt habe, Positives wie Negatives. Und nach jedem Tiefpunkt kam ein neuer Höhepunkt. Auch die Lernkurve, die ich in meinem Leben durchlebt und umgesetzt habe, würde mich sehr stolz machen.

33. Wie geht es für dich nach „Dancing Stars“ weiter?

Ich freue mich schon drauf, dass ich wieder mehr Zeit für meine Familie und Freunde habe. Und dass ich in meinem Radgeschäft die eine oder andere Idee zur Weiterentwicklung umsetzen kann.